Neues 2017

Wehren als Vorreiter

OBERSÜLZEN – Die Feuerwehren der Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim sind praktisch Vorreiter bei der Fusion: Zwar findet der offizielle Zusammenschluss erst zum 1. Januar statt, parallel zu den Verwaltungen. Die Zusammenarbeit hat aber schon Anfang 2017 begonnen. Die Einsatzzentrale in Obersülzen wird bereits gemeinsam betrieben.

 
Recht klein ist das frühere Obersülzer Gerätehaus, in dem die Feuerwehreinsatzzentrale (FEZ) untergebracht ist. Die Besprechungsecke ist jedenfalls beim RHEINPFALZ-Gespräch mit den Wehrleitern der Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim, Frank Janson aus Ebertsheim und Alfred Raffel aus Carlsberg, sowie FEZ-Leiter Alexander Schuler (Dirmstein) und seinen Stellvertretern Axel Remmele (Hettenleidelheim) und Christian Huber (Dirmstein) gut gefüllt. Bisher gab es zwei FEZ, in Hettenleidelheim und in Obersülzen. Das Gerätehaus in Hettenleidelheim, das gerade neu gebaut wird, sieht keine mehr vor: Die dafür erforderlichen Räume würden nicht bezuschusst, weil es laut Vorgabe der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) nur noch eine FEZ in der VG Leiningerland geben solle, sagte Frank Janson. Als die FEZ in Obersülzen eingerichtet wurde, sei dies vom Land finanziell unterstützt worden.Warum damals ausgerechnet Obersülzen als Standort ausgewählt worden war, obwohl es in der Gemeinde – anders als in Hettenleidelheim – keine Feuerwehr mehr gibt, erklärt Janson damit, dass das Gebäude zur Verfügung stand und die Arbeit auf alle Wehren der VG Grünstadt-Land verteilt werden sollte.

Ist der Standort Obersülzen ein Nachteil?

Ist das denn kein Nachteil, wenn die FEZ schnell besetzt werden muss? Nein, meint Janson. Zumal zwei Wehrleute in Obersülzen wohnten, zwei weitere arbeiteten bei Südzucker in Neuoffstein, zwei in Grünstadt. Das Stammpersonal bestehe aus 16 Mann, die eigens einen Lehrgang für die speziellen Aufgaben in der FEZ absolviert hätten, erläutert Schuler. Sobald ein Notruf bei der Leitstelle in Ludwigshafen eingehe, würden gleichzeitig die Ortswehr und die FEZ alarmiert. Die sorgt zum Beispiel dafür, bei Bedarf weitere Wehren anzufordern oder Rettungskräfte zum Einsatzort zu bestellen.Das in Obersülzen stationierte Einsatzleitfahrzeug wird losgeschickt, wenn es vom Einsatzleiter vor Ort angefordert wird und immer dann, wenn es in einem Gebäude brennt. Auch in Hettenleidelheim gibt es ein Einsatzleitfahrzeug, das weiterhin den Bereich der „alten“ VG abdeckt, wobei die Einsatzlinie ungefähr in Höhe der Wellpappe in Sausenheim verlaufe. Klar sei: Wenn bei Gechem in Kleinkarlbach etwas vorfällt, „fährt die Hettenleidelheimer Wehr definitiv mit rüber“, bestätigt Raffel. Sie sei auch weiterhin für die Autobahn zuständig.

Die neue Verbandsgemeindewehr 16 Wehren, 400 Leute, 50 Autos

In der neuen Verbandsgemeinde Leiningerland wird es – bei 21 Gemeinden – 16 örtliche Wehren geben, mit 400 Leuten und fast 50 Fahrzeugen. Nachwuchsmangel gebe es nicht, sagt Alfred Raffel, „der Zuwachs ist wieder da“. So sei die Jugendfeuerwehr in Carlsberg – sie besteht seit 1995 und sei die älteste im Landkreis – ein „Füllhorn“ für die Wehren. In der VG Grünstadt-Land seien etwa 20 Frauen aktiv, eine davon habe einen Lkw-Führerschein und dürfe den großen Löschzug fahren, so Janson. In der VG Hettenleidelheim gibt es bisher nur zwei Feuerwehrfrauen, doch Axel Remmele ist zuversichtlich, dass sich ihr Anteil mit dem neuen Gerätehaus in Hettenleidelheim erhöhen wird: Denn dort wird es entsprechende Sozialräume geben.Mit der Ausstattung der Wehren im Leiningerland sind die Führungskräfte recht zufrieden, sprechen von einem relativ guten Level. Jede Gemeinde sei in eine bestimmte Risikoklasse eingruppiert, die sich an Faktoren wie Größe, Industrieansiedelungen und Verkehr orientiere, erläutert Raffel: dementsprechend seien Fahrzeuge vorzuhalten.

Wie wird ein Zusammenschluss mit Grünstadt gesehen? Was halten die Fachleute von einer größeren Fusion bei den Feuerwehren, unter Einschluss der Stadt Grünstadt?

Zunächst zieren sie sich ein bisschen, sagen, das sei Sache der Politik. Zusammenarbeit gebe es ja bereits jetzt, die Wehren unterstützten sich gegenseitig. Doch dann wird schon deutlich, dass ein Zusammenschluss zumindest wünschenswert wäre, zumal in manchen Bereichen Ehrenamtliche an ihre Grenzen kommen. Alfred Raffel etwa fragt sich, ob die Wartung der Atemschutzgeräte auf Dauer durch Ehrenamtliche geleistet werden kann, zusätzlich zum normalen Feuerwehrdienst: „Das Leben des einzelnen Feuerwehrmannes hängt davon, da darf nicht gehuddelt werden.“Doch eine größere Zusammenarbeit mit der Grünstadter Wehr, vielleicht in Form von Zweckvereinbarungen, vielleicht sogar mit ein, zwei Berufsfeuerwehrleuten, ist Zukunftsmusik. Zunächst geht es darum, aus zwei VG-Wehren eine Einheit zu machen. „Lassen Sie uns erst mal in die neue VG starten“, sagt Raffel, und Schuler merkt an, einen festen Fahrplan gebe es nicht: „Jugend forscht“, scherzt Raffel. Axel Remmele geht davon aus, dass es zwei, drei Jahre dauern wird, bis sich alles einspielt. Im nächsten Frühjahr wird erst einmal der Wehrleiter der neuen Verbandsgemeinde Leiningerland gewählt. Und möglichst bald soll es auch ein gemeinsames Fest der 400 Wehrleute geben.

 

Text: Die Rheinpfalz
Bild: FEZ Leiningerland